Verfasst von: Schnuppschnuess | 2011-09-26

Allgäu – Tag 2: Altusried – Burgruine Kalden – Illerdurchbruch – Blaue Bruck – Altusried

Dieser Tag sollte der Tag des Allgäucachers werden. Mein Gott, was zeigt der Mann für einen Einsatz, die Gemeinde der Suchenden glücklich zu machen. 28 Caches hat er rund um Altusried versteckt und selber hat er – haltet euch fest – bislang über 10.000 Schätze gehoben. A Wahnsinn!

Und groß scheint er auch zu sein, denn ohne die richtige Idee oder Statur, eine, die Hebefiguren am vermuteten Fundort gestattet, kommt man bzw. frau nicht ran an die Dinger. Falls man größentechnisch zwischen Setzei und Parkuhr rangiert wie ich, hat man keine Chance. Eigentlich. Aber man lernt ja beim Tun, wie auch wir feststellen konnten. Nach dem DNF (für die Muggels unter euch = Did Not Find = Wir haben die ?/&%$$§&“!!-Dose nicht gefunden oder kamen nicht ran) mussten wir uns was einfallen lassen. Aber der Reihe nach:

8 Geochaches plus Bonus hatten wir heute auf dem Programm. Nach einer wunderbar verbrachten Nacht – „The Arnold“ war vom Theo ganz doll ausgeschimpft worden und war danach brav wie ein Lamm – und einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf, die Umgebung von Altusried zu erobern. Das Auto wurde an der berühmten Altusrieder Freilichtbühne abgestellt und die Tour begann gleich erfolgreich mit dem Heben eines Caches just auf diesem Parkplatz. Und eine Übersichtskarte vom zu erwandernden Gebiet gab es auch.

Weiter trugen uns unserer Füßchen zum Altusrieder Rathausplatz, wo man nur für uns einen Container aufgestellt hatte, damit wir unbeobachtet suchen, finden und loggen konnten. Das ist doch mal ein Service!

Allmählich führte uns unserer Tour in weniger belebte Gebiete, unterwegs schnappten wir uns noch ein Dösle, das nett versteckt war, aber den Menschen im Auto davor wahrscheinlich zu den wildesten Spekulationen veranlasste, was an normalen Straßenschildern so interessant sein soll. Wir tun immer so, als wären wir für ein schräges Fotoprojekt unterwegs, machen Bilder wie die Wahnsinnigen, zoomen ran, zeigen auf Details und hoffen so, das nicht so ganz Offensichtliche zu entdecken und dabei die Öffentlichkeit zu verwirren.

Verwirrt waren auch wir, als wir vor einem Baum standen, in dessen Astgabel Erstaunliches wuchs. Johannisbeeren, für deren Ernte man auf einen hohen Baum hätte klettern müssen, hatten wir noch nie gesehen.

Das erste Highlight des Ausfluges war die malerisch gelegene  Burgruine Kalden, von der nur noch ein Rundturm zu sehen ist. Dieser zeugt von Zeiten, wo auf Statik und Beschaffenheit des Untergrundes, auf den man Burgen baut, anscheinend nicht sooo viel Wert gelegt wurde.

Die Höhenburg stand auf einem großflächigen Vorgebirge 90 m über der Iller und wurde nach Westen von einem Tobel gesichert, während die Ostseite steil zur Iller abfiel. Geologische Instabilität führte schon im Mittelalter zu Felsrutschungen und Substanzverlusten an der 1128 erwähnten und vor 1500 zerstörten Burg Alt-Kalden, von der heute nur noch ein schmaler Grat zeugt. (Quelle: Wikipedia)

Nachdem Burg Nummero 1 allmählich in einem Graben verschwand, baute man Burg Nummero 2 etwas entfernt, um dann erkennen zu müssen, dass auch sie peu à peu ins Rutschen kam.

1515 erfolgte […] 300 Meter südlich der Anlage ein Neubau, der nun den Namen Neu-Kalden trug. Doch dieser Neubau wurde schon 1692 wiederum aufgelassen und schließlich um 1840 bis auf ein Turmfragment abgebrochen. Heute verbleibt ein geologisch eindrucksvolles Profil des abgerutschten Burgplatzes, das im oberen Bereich Kiese, im unteren Bereich Sande und Mergel zeigt.

Erstmals 1128 erscheint ein Geschlecht der Callindin, das in stiftkemptischen Diensten stand. 1384 gingen Burg und Herrschaft an die Herren von Rothenstein, dann 1409 durch Kauf an die mächtigen Herren von Pappenheim, Erbmarschälle des Reiches, die sie drei Jahre später wieder an die Rothensteiner zurückveräußerten. 1482 kamen die Pappenheimer erneut in den Besitz der Burg, diesmal durch Erbschaft. Joachim von Pappenheim errichtete 1515 das Schloss Neu-Kalden, das 1692 an das Fürststift Kempten veräußert, zugleich aber wegen drohender Hangrutsche verlassen wurde. 1985 erwarb die Marktgemeinde Altusried das Ruinengelände. (Quelle: wikipedia)

Das hier versteckte Döslein war schnell ausgemacht und hielt in seinem Inneren noch die Koordinaten für einen Bonus bereit. Nach ein paar Kriechübungen durch die Botanik habe ich meinem lieben Mann aber verboten, an steilen Abhängen herumzuklettern und unter Gefahr für Leib und Leben nach Filmdosen zu angeln, die an gefährlicher Stelle liegen. Man muss es ja nicht übertreiben, gell?

Nur ein paar Schritte von der Ruine entfernt, bot sich ein wunderbarer Blick auf einen unverbauten Abschnitt der Iller mit ihrem mäandernden Durchbruch. Nur für diese Aussicht lohnt sich der weiteste Weg, wahrlich spektakulär.

Während der Eiszeiten erstreckte sich der Illergletscher vom Hochgebirge bis Altusried. Die Schmelzwasser des Gletschers fanden drei Abläufe, von Probstried ins Tal der Westgünz, von Dietmannsried in das alte Illertal (heute Memminger Trockental) und von Kalden (Altusried) nach Lautrach-Illerbeuren. Zum Ende der letzten Eiszeit schmolz der Eisstrom und es entstand ein großer See zwischen Kempten und Altusried. In der Folge vertiefte sich der Abfluss bei Kalden am stärksten und der See lief aus. Seitdem fließt die Iller in vielen malerischen Windungen durch die Endmoränen von Altusried bis Ferthofen und findet erst unterhalb von Memmingen zurück in das alte Illertal. Am schönsten kann man den Illerdurchbruch von der Ruine Kalden (ehemaliges Schloss Kalden) beobachten. (Quelle: wikipedia)

Eigentlich wären wir noch gerne ans Ufer der Iller gegangen. Aber da wir noch ein paar Kilometer vor uns hatten und nicht wußten, ob man von dort die „Blaue Bruck“ erreichen kann, haben wir auf einen „Abstieg“ verzichtet und wanderten weiter in Richtung Fischers (Markt Altusried), einem kleinen Weiler an der Iller, der bis 2001 über eine Fährverbindung ans gegenüberliegende Ufer nach Pfosen (Markt Dietmannsried) verfügte. Als diese Verbindung eingestellt wurde, war ein wichtiges Band für Wanderer und Radfahrer zerschnitten.

In rühmlicher Eigeninitiative gelang es 30 Freiwilligen, in 1200 Stunden eine außergewöhnliche Hängebrücke mit 84 m Spannweite über die Iller zu bauen. Die 2007 eröffnete „Blaue Bruck“ ist die erste Bürgerbrücke Bayerns und schließt die Lücke im „Oberallgäuer Rundwanderweg“. Mich hat das Bauwerk sehr beeindruckt und die Suche nach dem Döschen gestaltete sich so spannend wegen der „Kletterei“, dass ich mich zu folgendem Logeintrag bemüßigt fühlte:

„Boah – da war aber Einsatz gefragt für so ne Omma wie mich. Ich bin Flachlandtirolerin und habe Angst bei sowas. Nicht vor der Brücke, sondern vor dem Zugang zum Cache, der für mich aber minnigens ein 3er war. Gefühlt. Zumal mein Mann schon wieder auf der anderen Seite war und fotografierte, da musste ich also alleine durch. Was macht frau nicht alles, wenn der Ruf des Schatzes ertönt – also hin gedackelt, greifen, loggen, wieder ruff und fertig. Geht doch! „

Auf unserem Weg zur Brücke konnten wir auch unseren ersten „richtigen“ DNF des Tages verbuchen. Wir sind einfach zu klein für solche Aktionen. Wie sich später heraus stellte, aber auch zu doof. Denn während wir grummelten und nachdachten und nach alternativen Bergungsmöglichkeiten suchten, hatten wir am Ende unserer Tour eine Eingebung. Zunächst aber mussten wir auf dem Pfad der Erleuchtung wandeln, der uns nach Altusried zurück brachte. Unterwegs schnappten wir uns noch Cache Nummer Vier vom Allgäucacher und als wir am Cache Nummer Fünf ankamen, sahen wir schon von weitem, dass es sich wieder um so ein fieses Ding wie bei unserem DNF handeln musste. Aber wir hatten ja mittlerweile Plan B ausgeheckt. Mich zu heben, das wäre für meinen armen Mann eine Zumutung.

Ja damals, als ich gerade 40 Kilo wog, da wäre das alles kein Problem gewesen. Aber als Fünfjährige war mir diese Art des Hobbies noch völlig unbekannt, deshalb ist nix mit Räuberleiter und so. Trotzdem:

Heiliger Wanderstock sei Dank! Durch ihn waren wir Gnome in der Lage, diesen Cache zu – na ja, heben wäre der falsche Ausdruck. Angeln, vielleicht? Jedenfalls haben wir tüftelnder Weise eine Lösung gefunden, wie man so ein Döschen schnappen kann, ohne so groß wie Nowitzki zu sein und Hurrah!! – es hat geklappt. Keine Ahnung, was sich die Autofahrer so dachten, aber wer keine Lust hat, sich immer und überall zum Affen zu machen, sollte das sowieso lassen mit der Cacherei.

Somit hatte uns Allgäucacher heute mit fünf Caches eine große Freude bereitet, nicht zu vergessen Allgeier01 sowie macnetz + mabinta, die ebenfalls einen Schatz für uns bereit hielten.

15.50 Uhr – wir haben fertig!

Nach einem sehr erfolgreichen Tag machten wir es uns in der Ferienwohnung bequem, aßen Kuchen, tranken Kaffee, lauschten der Stille, schauten dem Sonnenuntergang zu und freuten uns einfach des Lebens.

Wer möchte, kann man sich die für Muggel aufbereiteten Tourdaten noch einmal anschauen: Track. Eigentlich war die Wanderstrecke 400 m länger, aber ich habe die Wegpunkte der Suchaktionen weggelöscht, damit niemand von den Unwissenden auf dumme Gedanken kommt.

Schatzkarte

# 370  GC1Y45W    „#1 -Kunst und Kultur in Altusried“ – Allgäucacher

# 371  GC1QN3M    „#3 – Kunst und Kultur in Altusried – Rathausplatz“ – Allgäucacher

# 372  GC2EEC6    „Willkommen im Cacherparadies Altusried #4“ – Allgäucacher

# 373  GCVA66      „Cambodunum – Burgruine Kalden“ – Allgeier01

# 374  GC1J027     „Blaue Bruck“ – macnetz + mabinta

# 000  GC1QN2T    „5. Blaue-Bruck-Anlock-Cache“- Allgäucacher

# 375  GC1QP5X     „4a. Blaue-Bruck-Anlock-Cache“ – Allgäucacher

# 376  GC1JNZC     „2. Blaue-Bruck-Anlock-Cache“ – Allgäucacher

Und was haben wir sonst noch so angestellt im schönen Allgäu?

Allgäu, Tag 1 – Altusried

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Responses

  1. Also, ich bin jetzt einigermaßen erstaunt: Ihr habt keine Leiter im Wandergepäck?! Da wird aber ein Globetrotter-Besuch fällig.

  2. Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich just am Sonntag mit meinem Mann noch eine kleine Diskussion darüber geführt, ob es sich lohnt, die Teleskopleiter für 99,90 bei einem Discounter zu erwerben. Er hielt mein Ansinnen wohl für ein Spässken. Warum auch immer.


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