Verfasst von: Schnuppschnuess | 2010-02-28

Kutt erop! Kutt erop! Kutt erop! – Cachen, Köln und Kochlektüre

Freitag hat der liebe Schwager das hinter sich gebracht, was ich noch vor mir habe – er wurde 50. Party war angesagt und wir mittendrin.  Da ich Uwe erst 19 Jahre kenne und auch erst seitdem weiß, dass er an besagtem Freitag Geburtstag hat,  fiel mir morgens noch ein, mal „eben“ ein paar Hanseaten nach dem wunderbaren Rezept von kaoskoch Sabine Homann Engel zu backen,

schließlich hat das Geburtstagskind den Wunsch, nach Hamburg zu fahren oder zu fliegen (was wir ja sowas von gut verstehen können). Natürlich bekam er nicht nur die leckeren Hanseaten, sondern auch noch einen eiskalten Hamburger, was bedeutete, dass ich nach Jahren mal wieder einen Fuß in eine Burgerbraterei gesetzt habe. Ich hoffe, Uwe weiß das zu schätzen.

Zudem hatte ich vor ein paar Tagen ein handgeschriebenes Kochbuch über Facebook bei BuchGourmet gekauft. Mrs. Wordmountain, eine Angestellte im Kochbuchladen, hatte mit Kollegen ein Mutzenrezept in „Lina F.s Küchengeheimnissen“ entdeckt, aber mit der Übersetzung der Sütterlinschrift haperte es. Also habe ich auch noch schnell Freitagmorgen das Rezept mit Sauklaue auf ein Blatt Papier geworfen und mir vorgenommen, die Übersetzung beim BuchGourmet abzuliefern. Vielleicht. Falls Zeit bleibt. Und natürlich wird dann nichts gekauft. Auch nicht geguckt. Ich gebe das Mutzenrezept ab, spreche zwei, drei Sätze (falls Frau Wordmountain da ist, ansonsten sage ich nur einen Satz) und gehe wieder. Klar, oder?

Am Samstag fuhren wir also, leicht geschwächt von den Erlebnissen der Nacht zuvor, über Köln mit Hilfe des ÖPNVs nach Hause ins Hesseländsche und machten Station in der Domstadt. Datt leeve kölsche Mädsche nata hatte uns noch super-tolle Tipps gegeben, wo wir essen können und was sonst noch Interessantes zu begucken ist. Das hatten wir auch vor. Cachen, lecker essen, ein paar Kölsch trinken und nach Hause fahren. Soweit die Theorie.

Gut, also, wir kommen in Köln an, es ist 11.00 Uhr.

Das Wetter ist herrlich, frühlingshaft, lau und optimal, um ein paar nette Caches zu heben. Schnell das Köfferchen im Bahnhof eingeschlossen und ab zum „GC189W7 – Musical Dome Köln“, um den ersten von zwei Thoto-Caches zu heben. Dort haben wir uns dann den Wolf gesucht, was eigene Doofheit ist, wenn man sich das Spoilerfoto nicht anschaut. Irgendwann hat Norbert dann den richtigen Riecher gehabt und quasi während des Rückzugs nach Aufgabe das Ding doch noch klargemacht.

Ab ging es in Richtung Dom. Hier wartete Thoto-Cache Nr. 2, früher ein Letterbox-Hybrid aber jetzt Multi-Cache, „GC1BAYV – Der Dom zu Köln“ auf uns. Und der war so schön, dass wir uns total verpeilt haben mit der Zeit. Norbert kennt sich in Köln wirklich gut aus, aber dass man den Domherrenfriedhof besuchen kann

und dass es möglich ist, Reste der Stadtmauer in der Tiefgarage unter dem Dom zu begucken, das wußte sogar er nicht.

Im Dom fand während unseres Besuches ein Gottesdienst statt. Von fern hörte man schon leisen, wunderbaren Gesang, ich glaube es war Gregorianisches, die Weihrauchschwaden waberten, vier rotgekleidete Würdenträger walteten ihres Amtes und alles war so feierlich, dass sogar mir Heidenkind das Herz aufging.

Dionysos konnten wir bewundern

und  Eule haben wir auch gesehen

Wer Köln nicht kennt, aber auch wer Köln kennt, sollte unbedingt diesen schönen Dom-Cache machen.

Uns hat er viel Freude bereitet, vor allem Eule und das Schild zur Turmbesteigung

Als nächstes standen noch zwei Tore an. Hahnentor und Ehrentor sollten es sein. Am Hahnentor haben wir uns einen Fuchs gesucht und nichts gefunden. Das ist uns im letzten Jahr am Eigelstein auch so ergangen, da sind wir frühmorgens nochmal hin und fündig geworden. Wegen der hohen Muggeldichte, auch wegen des Wochenmarktes gleich gegenüber und wegen irgendwelcher Führungen, die im Basislager der Ehrengarde der Stadt Köln stattfanden, haben wir dann aufgegeben.

Auf zum „GC1X96P – Ehrentor“. Das existiert zwar nicht mehr, aber das ist auch nicht schlimm. HaegarDK & Schafis, der Owner (oder die Owner?) des Caches, nimmt einen jedesmal mit auf eine historische Reise, die unterhaltsam und lehrreich Anekdoten und Geschichten rund um die Cachestätten vermittelt. Auch werden oft Kölsche Originale vorgestellt, zum Beispiel der „Zebingemann“. Dieser hat früher ambulant Haushaltsgegenstände repariert und rief auf seinem Weg durch die Straßen „Hatt er jett ze binge?“, deshalb nannten ihn die Kölnerinnen „Zebingemann“.

Abgesehen von den immer wunderbaren Aufbereitungen der Cachebeschreibungen sind die Caches selber auch unterhaltsam und erfindungsreich. Fragt uns, wir haben ja schon zwei gefunden 🙂

Cache „Ehrentor“ war komplett jeck, mutig, dreist und überraschend. Für uns jedenfalls ein Highlight, weil die Dose so unorthodox versteckt war und wir uns zunächst nicht vorstellen konnten, wie man an so einem muggeligen Ort überhaupt etwas verbergen und heben kann. Es geht tatsächlich. Aber Fotos gibt es keine, wegen der Spoilergefahr.

Während unserer Tour durch die Stadt habe ich mehrfach spitze Begeisterungsschreie ausgestoßen. Ich weiß jetzt, dass törtchen törtchen gleich gegenüber von Royal Cupcakes liegt und vor allem weiß ich, datt Frau Palms verstoppte Pief als Namenspatin für ein Lokal an der Palmstraße fungiert. Ja jiddet datt…

Mittlerweile war es schon ziemlich spät und 6 Pfund Schwarzbrot, für 30 Euro Käse, Hunger und Durst hatten sich an unsere Fersen geheftet. Aber da war doch noch was.

Rischtisch – BuchGourmet. Mantraartige Wiederholungen vor mich hinmurmelnd machten wir uns auf den Weg: „Ich kaufe nichts, ich kaufe nichts, ich schaue mir keine Kochbücher an, ich kaufe nichts….“ Im Laden angekommen, gab ich meine Übersetzung ab, wir lernten zwei sympathische Kochbuchspezialistinnen kennen, von denen ich eine, nämlich die oben erwähnte Frau Wordmountain, schon virtuell kannte, sprach die ersten drei von ganz vielen Sätzen und guckte doch mal in die Auslage – ganz unverbindlich, natürlich. Am Ende waren wir auch noch mit zwei großen Tüten voller Bücher bepackt; an Essen, Trinken oder sonstwas war nicht mehr zu denken. Wir wollten nur noch nach Hause. Jeder aß einen Berliner, Stück 50 Cent, wir warfen uns in den nächsten Zug nach Frankfurt, hechteten in die S-Bahn und schwupps, waren wir Daheim.

Das tat mir sehr leid, weil wir von nata so schöne Tipps bekommen hatten. Ich hätte vielleicht nicht nur sie nach den Genüssen der Gegenwart, sondern auch das DB-Orakel nach der Zukunft befragen sollen. Vielleicht kennt es sich nicht nur mit Baustellen, sondern auch mit Braustellen aus und hätte uns schon darauf vorbereitet, dass das mit Essen und Trinken nix wird.

Aber Picknick mit Wein, Käse und lecker Brot von Zimmermän, in deren Kellergewölbe sich übrigens die Fundamente des Ehrentores befinden,  war abends auf der gemütlichen Couch auch nicht zu verachten. Ach nee, Pänz, watt wor datt widder schön, do in Colonia!

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Responses

  1. Ach, wie wunderbar, Du das geschrieben hast! Ich habe fast das das Gefühl, ich wäre selbst dabei gewesen. – Klasse!

  2. Köln ist immer wieder ein Knaller – danke für die super Fotos.

    Die Törtchen-Cupcake-Links hätte ich besser nicht angeklickt, jetzt sitze ich sabbernd vorm PC…

  3. @nata: ist auch ein bissi für dich geschrieben. Deshalb freut es mich sehr, dass dir der Bericht gefällt.

    @Barbara: kannste dir vorstellen, wie ich drauf war, als ich die Dinger live gesehen habe?

  4. Nää, echt? Für mich? Das ist ja allerliebst! Dabei habe ich ganz vergessen zu sagen, dass mir auch Eure Bilder ganz wunderbar gefallen. Habt Ihr wirklich gut gemacht!

  5. ja… 😉

  6. hihi, wie lustig!

    Den Dom-Cache haben wir ja schon letztes Jahr gemacht, den Ehrentor hab ich vor drei Wochen gefunden. Ha – und auch das Hahnentor! Da bin ich aber auch ganz schön lange rumgeschlichen, zumal ein Rettungswagen dort seinen Standort bezogen hatte. Dann aber aus der Ferne auf Auffälligkeiten geachtet – und auf einmal hat’s klick gemacht und ich konnte die Dose pflücken 🙂 Das gibt ne ganz schöne Befriedigung,danach ging’s ja frohen Mutes zum Buchgourmet.

    Köln, wir kommen wieder (schön, wenn man ein Standbein in Form des Bruders vor Ort hat)

  7. Schön ge- und beschrieben! Und wirklich nett, wenn es zu virtuellen Persönlichkeiten ein „echtes“ Gesicht gibt… War schön mit Euch im Laden – und sooo viel war das doch gar nicht… 😉 Hihi…
    Was das Geocachen angeht: Gibt es denn da bei Euch in der Ecke auch ein paar schöne Caches? Da Du Dich ja mit dem ETrex auskennst, komm ich vielleicht mal vorbei und lass mir ein paar Tipps geben?!
    Kölsche Grüße – heute nicht im Kochbuchladen – von der Frau Wordmountain

  8. @Petra:
    und ich hab noch gedacht, guck mal bei der Frau Cascabel, ob die die Caches schon hat. Aber dann rief an besagtem Freitag auch noch meine Freundin an und ich konnte es nicht übers Herz bringen, sie abzuwimmeln. Deshalb war ich froh, dass ich wenigstens noch die Caches runtergeladen bekam, bevor ich losmusste. Normalerweise gehe ich zu Fuß bis zur S-Bahn. Aber ich war so spät dran, dass ich sogar mit dem Auto hinfahren musste. Zeitmanagement ist für mich ein böhmisches Dorf. Der Cache am Ehrentor ist gut, oder?

    @Evelyn:
    ich finde, das ist eine wunderbare Idee. Wenn es ein bissi wärmer ist, dann könnten wir mal in den Taunus, um Wandern und Cachen zu verbinden. Mit dem Auto ist man in Windeseile dort und die Tour

    https://moony42.wordpress.com/2009/04/11/osterliche-taunusrunde/

    fand ich sehr schön. Mittlerweile kenne ich auch einen Parkplatz in der Nähe des Wintersteins, was die Kilometerzahl ein wenig verringert. Ich weiß, dass du mit dem Laufen langer Strecken kein Problem hast, aber die Wegführung ist interessanter, wenn man diesen Parkplatz nutzt.
    Super! Wie wäre es denn mit Mai oder Juni? Ich habe allerdings keine Ahnung, ob ich mit dem eTrex noch zurecht komme. Das ist schon seit Monaten bei meinem Schwager, eben diesem Uwe, in Pflege 🙂

    Einen Tipp habe ich aber jetzt schon: vor dem Losgehen immer die alten Trackaufzeichnungen speichern (falls benötigt) und löschen, sonst hast du noch die alten Werte im Speicher. Das hat mich zur Weißglut getrieben, weil ich das ständig vergessen habe. Tschöhööö!

  9. […] damit… Obwohl die Jutta und ihr Mann gar nicht lange bleiben wollten (hat sie jedenfalls hier in ihrem Geocaching-Blog geschieben), konnten die beiden unserem Charme und den gut sortierten […]


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