Verfasst von: Schnuppschnuess | 2009-09-28

Ruf des Rheinsteigs: Von Braubach nach Lahnstein mit Ruppertsklamm

Burg Lahneck und so

Der Liebste, mein Vater und ich hatten irgendwann die Idee, auf dem Rheinsteig von Bonn nach Wiesbaden zu laufen. Mittlerweile haben wir 120 km der 320 km erwandert. Meine Schwester Ina hat sich uns  angeschlossen, jetzt wandern wir zu viert und jede Wanderung ist auf ihre Art faszinierend, anstrengend, schön. Diese Landschaften!

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Das Siebengebirge haben wir im letzten Jahr  komplett überquert. Eine Tour von 24 km Länge und Überwindung von 980 Höhenmetern ab Kloster Heisterbach bis Bad Honnef wird mir in ewiger Erinnerung bleiben, weil ich bei km 14 fast aufgegeben hätte. Aber nachher war es schon toll, durchgehalten zu haben.

In Braubach am Rhein, 150 km von Zuhause entfernt, begann unterhalb der Marksburg unsere Wanderung am letzten Samstag, natürlich mit der richtigen Unterlage – Kaffee, what else?

Stärkung vor dem Einstieg

Wegen des Hochnebels war zunächst von der Burg nichts zu sehen. Wie überrascht waren wir am Ende des Tages, als bei der Fahrt zurück zum Ausgangspunkt die Burg  erhaben vor uns auftauchte.

Marksburg ohne Nebel

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, den Einstieg zu finden und einem kurzen Abstecher hoch zur Burg (und wieder runter, weil der Weg ab Braubach „City“ losgeht) wanderten wir also nach Norden, Richtung Niederlahnstein. Durch einen Teil des Mittelrheintals. UNESCO-Weltkulturerbe. Verheißung.

Bis zur Kerkertser Platte, einem Aussichtspunkt mit Schutzhütte,  konnte man immer wieder auf die Burg blicken. Allmählich lichtete sich der Frühdunst und der Himmel wurde blauer. Die Sonne schien, die Luft war lau, optimales Wanderwetter. Mir ging das Herz auf.

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Ina und ich bildeten, wie immer, die Nachhut (was nicht an Ina liegt), während Norbert und mein Vater vorstürmten. Wie es dabei um meinen Vater stand, kann man sich ungefähr vorstellen, wenn man solche Fotos sieht:

Pa in Action Geschafft

Der Mann ist 75 – das macht Hoffnung. Bei mir sah das ein wenig anders aus:

Im Seil

Wie es um Norbert stand? Kein Muskelkater. Spricht von: „gemächlich“, „Spaziergang“, „nicht anstrengend“. Ts.

Sonnenschein

Beinahe am  Ende der Wanderung waren wir an der Lahn angekommen.

P1180814 Schleuse an der Lahn - Boatcamping

Gut 11 Kilometer mit zum Teil kräftigen Steigungen und abwechslungsreicher Wegführung lagen hinter uns, das Highlight des Tages jedoch sollte noch kommen:

P1180820

Die Ruppertsklamm wollte erobert werden und wir waren bereit, uns diesem Abenteuer zu stellen. Zunächst mussten Vorkehrungen getroffen werden:

Gymnastik machte die Beinchen beweglich,

Gymnastik zwischendurch

ein Gebet zum Heiligen  Lubentius(noch nie gehört!) wurde gesprochen

Beten hilft

und das Froschorakel befragt:

Froschorakel, frontal

Bleibt der Frosch auf dem „Brunnenrand“ sitzen, dann hat man gute Aussichten, die Klamm zu überleben. Nach einem recht einseitigen Gespräch mit dem Viech, das an seinem angestammten Platz verharrte, rief Ina sicherheitshalber noch die Bergwacht an, um sich ob der drohenden Gefahren zu informieren.

Anruf bei der Bergwacht

Auch dort wurde grünes Licht gegeben, das Abenteuer konnte beginnen.

P1180825

Ich bin nicht schwindelfrei und ein Schisshase, wenn es ums Klettern geht. Aber diesen Anforderungen war sogar ich gewachsen.

Ganz schön Klamm

Das Bächlein, das die Klamm durchrieselte, störte nicht weiter und wir kletterten wie die Bergziegen der Schutzhütte entgegen.

Klamm mit Mini-Wasserfall

Im Frühjahr und nach ergiebigen Regenfällen wird die Kletterei bestimmt viel spannender sein. Besonders, wenn man abwärts unterwegs ist. Ich war jedenfalls nicht zu traurig, dass die Steine trocken waren und an manchen Stellen ein Seil zum Festhalten gespannt war. Richtig gefährlich waren nur die Eichhörnchen, vor denen auch gewarnt wurde:

Achtung Eichhörnchen

Die saßen unsichtbar in den Baumwipfeln und bewarfen unschuldige und nichtsahnende Wandersleut mit Eicheln, dass es nur so prasselte. Ina hat jedenfalls ein paar abbekommen und wenn die Früchte aus großer Höhe auf nackte Arme fallen, dann tut das ganz schön weh. Biester! Wenn ihr nicht sofort brav seid, dann holen wir unseren mobilen Hochstand und dann kracht’s. Aber gewaltig!

Mobiler Hochsitz

Nach vier Stunden waren wir wieder in Lahnstein am Auto, nach einer wirklich herrlichen, sehr zu empfehlenden Wandertour. Dort stärkten wir uns mit Frikadellen, Kartoffelsalat, Grießbrei, Zwetschgenkompott, Kaffee und Kuchen.

Picknick

PS: Leider war ich während der Wanderung von drei Muggels (verblendeten Nicht-Cachern) umzingelt. Schatzsuche fiel flach. Sehr tragisch!

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Responses

  1. Klasse, danke für den tollen Bericht. Da muss ich wohl noch etwas Fitness trainieren ehe ich in die Wetterau zum Cachen fahre, sonst hängt Ihr uns Flachlandtiroler ja gnadenlos ab! 🙂

  2. Hör bloß auf – ich bin sowas von unfit. Ich habe zwar keinen Muskelkater, aber ich war echt lahm. Muss dringend abnehmen 😦 und mich einen Hauch mehr bewegen. Grauenhafte Vorstellung.

    Falls ihr mal in der Wetterau seid, lade ich euch herzlich ein, mit uns die Caches in Angriff zu nehmen, die wir nicht finden. Ihr Veteranen habt bestimmt den richtigen Riecher, der uns total abgeht. Unsere Sorgenkinder: „Zwischen Wahnsinn und Genie“ sowie „Silke’s Cube #3“ und „Elvis alive again“. Ich krieg die Krise, ich finde da nix und nix und wieder nix. An allen drei Stellen ist die Muggeldichte aber auch extrem hoch und intensives Suchen kaum möglich. Außer morgens um Fünf. Vielleicht sollte ich am Wochenende… nochmal grauenhafte Vorstellung 🙂

    Liebe Grüße an euch!

  3. Was für ein toller Bericht! Da geht’s ja ganz schön auf und ab und macht dem Titel „Steig“ alle Ehre – dagegen war unsere Bergwanderung vom Wochenende richtiggehend gemütlich (der Berg nebendran wäre glaube ich etwas anstrengender gewesen – von der anderen Seite aus angegangen)

    Bitte gerne mehr von diesen Berichten, auch wenn’s mit den Dosen haperte (wenn Ihr mal hierherkommt, suchen wir auch mit euch, versprochen!).

  4. Toller Bericht – eben Original Jutta! 🙂
    Bitte viel mehr davon künftig….das erfrischt Herz und Seele beim Lesen.

    Die Gegend ist ja wunderschön und stell dir vor: ich war da noch nie! 😦
    Aber ich bewundere dich fürs Kraxeln und die Klamm….da hätte an mir schon alles gezittert, ich bin da wohl doch noch eine größerer Schisshase als du!

  5. @Petra:
    leider kann ich deinen Bericht nicht lesen – der Titel wird mir angezeigt, aber es kommt kein Text.

    Eventuell sind wir im nächsten Sommer in der Nähe. Wir fahren für eine Woche nach Schladming, da könnte man doch eine Schlenker machen. Mini-Foodbloggertreffen mit einer wohlbekannten Bloggerin aus Österreich ist auch schon in Planung und nachdem Fräulein Helgas Geheimnis geknackt ist, liegt der Gedanke nahe, die Koordinaten aufzusuchen. Vielleicht zeigt ja bis dahin auch der Uhu sein wahres Gesicht? 🙂

    @Eva:

    Die Fotos sehen spektakulärer aus, als die Realität ist. Bin gerade dabei, die nächste Etappe zu planen. Da kommst du wieder mit und im Gegenzug hänge ich mich ans Wohnmobil. Das ist doch was, oder?

  6. Schön! Super Bericht, Jutta – auch die Fotos sind klasse, man fühlt sich fast, wie wenn man mitwandern würde… 🙂

    Das mit dem Kraxeln und Schiss ist Übungssache – und bei den Genen kannst Du wahrscheinlich mit 75 nicht mehr genug davon kriegen. 😉

  7. Die Ecke haben wir im Juli auf ähnlichen Stiegen bewandert, vom Bopparder Hunsrück übers Baybachbachtal runter zur Mosel. Schöne Erinnerungen.


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