Verfasst von: Schnuppschnuess | 2009-01-03

Der erste Versuch: Kloster Ilbenstadt

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Anfang Januar, ich war seit ein paar Tagen Mitglied bei www.geocaching.com, hielt mich nichts mehr Daheim. Ich wollte endlich auf die Pirsch gehen und den ersten Cache suchen, finden, heben. Ein Blick auf die Seite und es war schnell klar: Ilbenstadt!

Den dem Geocaching nicht wirklich zugetanen Ehemann musste ich nicht überreden, mich zu begleiten. Strahlendes Winterwetter lud zu einem Spaziergang entlang der Nidda ein und Kloster Ilbenstadt, obwohl beinahe vor der Haustür gelegen, hatten wir noch nie besucht.

Klosterkirche Ilbenstadt
1122 schenkten Gottfried von Cappenberg und sein Bruder Otto ihre Besitzungen nach einer Begegnung mit dem hl. Norbert von Xanten als Buße für die Zerstörung des Doms zu Münster dem Prämonstratenser-Orden und waren selbst zum Ordenseintritt bereit. Zu den Besitzungen der Cappenberger gehörte auch Ilbenstadt. Noch 1122 wurde mit dem Bau der Basilika und des Klosters begonnen . 1127 starb Gottfried in Ilbenstadt und wurde in der Pfarrkirche beigesetzt. 1149 wurden seine Gebeine in die Basilika übertragen.

Die ersten Chorherren kamen aus Prémontré. In harten Auseinandersetzungen konnte das Kloster mit Mainzer Hilfe seine Unabhängigkeit gegenüber der Burg Friedberg wahren. So blieb es auch nach der Reformation als katholische Insel in der Wetterau erhalten und prägte jahrelang durch die praktische Seelsorgearbeit die ganze Wetterau.

1622, also im Dreißigjährigen Krieg, wurden Kloster und Kirche von Mansfelder Truppen geplündert und geschändet. Dann folgten die Schweden, die jahrelang im Kloster lagen. König Gustav Adolf schenkte es dem Obristen von Wartenberg.

1635 kamen die Kaiserlichen, doch die „Befreier“ hausten noch viel schlimmer. Sie folterten Propst Conradi, der an der Folgen starb. Der steile Aufstieg der Propstei aus den Verheerungen des Krieges wurde 1657 durch die Erhebung zur Abtei honoriert. Die Klosteranlage wurde in den folgenden Jahrzehnten durch einen Neubau im barocken Stil ersetzt.Die Abtei wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Die Grafen von Altleiningen-Westerburg erhielten das Kloster und die Güter als Entschädigung für ihre linksrheinischen Besitzungen.

1819 wurden ein Teil des Ostflügels samt dem Nordkreuzgang und die alte Pfarrkirche abgerissen. Die Prälatur diente als Schloss. 1921 verkauften die Grafen den gesamten Besitz an den hessischen Staat, der daraus eine Staatsdomäne schuf. In die gepachteten Konventsgebäude zogen 1923 Benediktiner aus Kornelimünster. 1939 kam der Reichsarbeitsdienst. Nach Kriegsende pachtete die Diözese Mainz 1946 die Gebäude erneut und kaufte sie 1958 ganz.

Mädchenheim St.Gottfried
In den 1950er-Jahren war das Kloster ein Erziehungsheim, das unter dem Namen „Caritaswerk St. Gottfried“ von den Nonnen geführt wurde. 1963 wurde das Heim durch einen Brand völlig zerstört. 1968 wurde es nach Investition von vier Millionen D-Mark neu eröffnet.  Etwa 100 Mädchen waren in sechs Gruppen untergebracht. Nach massiver Kritik im Rahmen der Heimkampagnen in den 1970er Jahren wurde das Heim unter weltlicher Leitung zu einem „Kinder- und Jugendheim“ umgestaltet und international bekannt für sein klientenzentriertes pädagogisch-therapeutisches Konzept. Das Haus wurde trotz breiter Proteste der Fachöffentlichkeit 1976 von der Kirchenführung geschlossen und 1979 ganz aufgelöst.

Bildungshaus
Das heutige Haus St. Gottfried wird seitdem als diözesanes Jugend- und Bildungshaus für Tagungen genutzt. 2005 bis 2008 wurde es für fünf Millionen Euro renoviert.

Basilika
Die 1159 geweihte ehemalige Abteikirche Maria, St. Petrus und Paulus wurde im romanisch-basilikalem Stil gebaut. Um 1500 wurde die flache Holzdecke gotisiert. 1681 bis 1699 schuf Johann Wolfgang Frölicher Skulpturen und Altäre sowie die Kanzel für die Klosterkirche. Im Zuge der Barockausstattung der Abteikirche ließ Abt Jakob Münch in den Jahren 1732 bis 1734 durch Franz Vossbach die Orgelempore und den Orgelprospekt aufrichten. Dazu erstellte Johann Onymus aus Mainz die bis heute existierende Orgel.

1803 wurde die Abteikirche im Zuge der Säkularisierung zur Pfarrkirche. Das kostbare Inventar der vormaligen Klosterkirche wurde verschleudert. 1929 wurde die Kirche durch Papst Pius XI. zur Basilica minor erhoben. Die 1960 bis 1970 gründlich renovierte Basilika ist auch heute noch eine imposante Kirche und trägt im Volksmund den Namen „Wetterauer Dom“.

(Wikipedia -http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Ilbenstadt)

Auf ging es also und 2,48 km Luftlinie wurden in Angriff genommen. Kalt war es und herrlich. Strahlend blauer Himmel, kein Schnee und ein kribbeliges Gefühl, je näher wir dem Kloster kamen.

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Am Kloster angekommen,

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musste zunächst einmal ein wildes Tier besänftigt werden

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und dann konnte es endlich losgehen mit der Suche. Betrieb war so gut wie keiner. Muggels, also Nicht-Geocacher, waren auch in nur verschwindend geringer Anzahl vorhanden. Beste Bedingungen also für Neulinge wie mich.

Leider habe ich trotz optimaler Voraussetzungen nichts gefunden. Nicht den geringsten Hinweis,  nicht das kleinste Zipfelchen eines Caches. Unverrichteter Dinge sind wir wieder abgezogen. Aber es war trotzdem schön. „Der Weg ist das Ziel.“ Wie wahr!

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Responses

  1. Tolle Fotos, klingt nach einem gelungenen Ausflug!

    Was das Finden angeht… das ist auch ein Erfahrungswert, irgendwann entwickelt man den richtigen Blick (und die Abweichung Eures alten Etrex dürfte auch nicht zu vernachlässigen sein, ausserdem ist zwischen dicken Mauern das mit der Genauigkeit sowieso so eine Sache…)

  2. Ist schon erstaunlich – die Fotos habe ich mit der alten Fuji gemacht und bin auch ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Die Panasonic will ich nicht mitnehmen beim Suchen, sie ist mir zu klobig.

    Das mit der Genauigkeit stimmt – Irgendjemand hat zu diesem Cache geschrieben, dass der Empfang an dieser Stelle wohl nicht der beste ist. Aber ich habe mich auch nicht richtig getraut, zu wühlen. Mit der Zeit wird sich das bestimmt ändern, wenn ich ein wenig „abgebrühter“ geworden bin. Ich kam mir z. B. immer bescheuert vor, in der Öffentlichkeit mit dem Handy zu telefonieren. Das hat sich auch komplett gelegt 😉


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