
Der Liebste, mein Vater und ich hatten irgendwann die Idee, auf dem Rheinsteig von Bonn nach Wiesbaden zu laufen. Mittlerweile haben wir 120 km der 320 km erwandert. Meine Schwester Ina hat sich uns angeschlossen, jetzt wandern wir zu viert und jede Wanderung ist auf ihre Art faszinierend, anstrengend, schön. Diese Landschaften!

Das Siebengebirge haben wir im letzten Jahr komplett überquert. Eine Tour von 24 km Länge und Überwindung von 980 Höhenmetern ab Kloster Heisterbach bis Bad Honnef wird mir in ewiger Erinnerung bleiben, weil ich bei km 14 fast aufgegeben hätte. Aber nachher war es schon toll, durchgehalten zu haben.
In Braubach am Rhein, 150 km von Zuhause entfernt, begann unterhalb der Marksburg unsere Wanderung am letzten Samstag, natürlich mit der richtigen Unterlage – Kaffee, what else?

Wegen des Hochnebels war zunächst von der Burg nichts zu sehen. Wie überrascht waren wir am Ende des Tages, als bei der Fahrt zurück zum Ausgangspunkt die Burg erhaben vor uns auftauchte.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, den Einstieg zu finden und einem kurzen Abstecher hoch zur Burg (und wieder runter, weil der Weg ab Braubach „City“ losgeht) wanderten wir also nach Norden, Richtung Niederlahnstein. Durch einen Teil des Mittelrheintals. UNESCO-Weltkulturerbe. Verheißung.
Bis zur Kerkertser Platte, einem Aussichtspunkt mit Schutzhütte, konnte man immer wieder auf die Burg blicken. Allmählich lichtete sich der Frühdunst und der Himmel wurde blauer. Die Sonne schien, die Luft war lau, optimales Wanderwetter. Mir ging das Herz auf.

Ina und ich bildeten, wie immer, die Nachhut (was nicht an Ina liegt), während Norbert und mein Vater vorstürmten. Wie es dabei um meinen Vater stand, kann man sich ungefähr vorstellen, wenn man solche Fotos sieht:

Der Mann ist 75 – das macht Hoffnung. Bei mir sah das ein wenig anders aus:

Wie es um Norbert stand? Kein Muskelkater. Spricht von: „gemächlich“, „Spaziergang“, „nicht anstrengend“. Ts.

Beinahe am Ende der Wanderung waren wir an der Lahn angekommen.

Gut 11 Kilometer mit zum Teil kräftigen Steigungen und abwechslungsreicher Wegführung lagen hinter uns, das Highlight des Tages jedoch sollte noch kommen:

Die Ruppertsklamm wollte erobert werden und wir waren bereit, uns diesem Abenteuer zu stellen. Zunächst mussten Vorkehrungen getroffen werden:
Gymnastik machte die Beinchen beweglich,

ein Gebet zum Heiligen Lubentius(noch nie gehört!) wurde gesprochen

und das Froschorakel befragt:

Bleibt der Frosch auf dem „Brunnenrand“ sitzen, dann hat man gute Aussichten, die Klamm zu überleben. Nach einem recht einseitigen Gespräch mit dem Viech, das an seinem angestammten Platz verharrte, rief Ina sicherheitshalber noch die Bergwacht an, um sich ob der drohenden Gefahren zu informieren.

Auch dort wurde grünes Licht gegeben, das Abenteuer konnte beginnen.

Ich bin nicht schwindelfrei und ein Schisshase, wenn es ums Klettern geht. Aber diesen Anforderungen war sogar ich gewachsen.

Das Bächlein, das die Klamm durchrieselte, störte nicht weiter und wir kletterten wie die Bergziegen der Schutzhütte entgegen.

Im Frühjahr und nach ergiebigen Regenfällen wird die Kletterei bestimmt viel spannender sein. Besonders, wenn man abwärts unterwegs ist. Ich war jedenfalls nicht zu traurig, dass die Steine trocken waren und an manchen Stellen ein Seil zum Festhalten gespannt war. Richtig gefährlich waren nur die Eichhörnchen, vor denen auch gewarnt wurde:

Die saßen unsichtbar in den Baumwipfeln und bewarfen unschuldige und nichtsahnende Wandersleut mit Eicheln, dass es nur so prasselte. Ina hat jedenfalls ein paar abbekommen und wenn die Früchte aus großer Höhe auf nackte Arme fallen, dann tut das ganz schön weh. Biester! Wenn ihr nicht sofort brav seid, dann holen wir unseren mobilen Hochstand und dann kracht’s. Aber gewaltig!

Nach vier Stunden waren wir wieder in Lahnstein am Auto, nach einer wirklich herrlichen, sehr zu empfehlenden Wandertour. Dort stärkten wir uns mit Frikadellen, Kartoffelsalat, Grießbrei, Zwetschgenkompott, Kaffee und Kuchen.

PS: Leider war ich während der Wanderung von drei Muggels (verblendeten Nicht-Cachern) umzingelt. Schatzsuche fiel flach. Sehr tragisch!







































